da Vinci-gestützte Operationen auf dem Vormarsch

Das neueste Modell des „da Vinci“-Operationssystems im Dresdner Uniklinikum / Fotos: Universitätsklinikum Dresden/Gabriele Bellmann
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Bei immer mehr Operationen nutzen Chirurgen des Dresdner Uniklinikums den hochmodernen OP-Roboter „da Vinci Xi“. Das vor allem bei Eingriffen in Bauch und Brustkorb eingesetzte System bietet den Ärzten ein Höchstmaß an Präzision und soll so die Patienten schonen.

Seit 2017 steht den Ärzten der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum das neueste Modell des „da Vinci“-Operationssystems zur Verfügung. Bereits das Vorgängermodell „da Vinci Si“, das in der Klinik für Urologie steht, kam bei viszeralchirurgischen OPs zur An­wen­dung, doch der eigene „da Vinci Xi“ wird nun deutlich häufiger genutzt. Wöchentlich finden zwei bis vier roboterassistierte Eingriffe statt. Viszeralchirurgen nutzen den neuen „da Vinci“ vor allem für Operationen des Rektumkarzinoms (Enddarm­krebs), gefolgt von OPs bei Speiseröhrenkrebs und Bauch­spei­chel­drüsenerkrankungen. Hinzu kommen Eingriffe am Magen sowie bei Darmerkrankungen. Aber auch die Thoraxchirurgen nutzen das System bei bestimmten Operationen im Brustkorb.

Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäß­chirurgie am Uniklinikum Carl Gustav Carus Dresden / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht

Radikal, aber funktionserhaltend
Zum Einsatz kommt der Roboter vor allem bei Patienten mit komplexen Krebserkrankungen. Dabei muss das vom Tumor befallene Gewebe radikal entfernt werden, damit der Krebs nicht erneut auftritt. Gleichzeitig möchten die Chirurgen wichtige Funktionen und damit die Lebensqualität der Patienten so gut es geht erhalten. Auch wenn ein formaler Beweis durch wissenschaftliche Studien noch aussteht soll die Präzision des „da Vinci“ dazu beitragen, vor allem solche Nerven bei dem Eingriff zu schonen, die beispielsweise für die Kontrolle der Harnblasen- oder Sexual­funktion zuständig sind. „Um diese Ansprüche zu gewährleisten, müssen wir sehr ge­nau er­kennen können, wie wir bei der Operation am bes­ten vorgehen“, erklärt Kli­nik­direktor Prof. Jürgen Weitz. „Die hohe Bild­qualität und die Zoom­funktion des ‚da Vinci‘ sind dafür nicht hoch genug zu bewertende Hilfs­mittel. Auch feinste Strukturen wie Nerven und Blutgefäße sind sehr gut sichtbar.“

Schnellere Erholung
Zudem verringern sich die Belastungen, die sich aus den notwendigen Schnitten einer OP ergeben. Bei offenen Eingriffen zur Behandlung von Speiseröhrenkrebs etwa muss der Ope­ra­teur einen großen Schnitt im Bauchraum und im Bereich des Brustkorbs ausführen. Bei der minimal-invasiven Chirurgie reichen stattdessen nur wenige kleine Schnitte. Der Patient erholt sich dadurch vermutlich wesentlich schneller von den Stra­pazen. Die roboterassistierte Chirurgie hat aber auch einen entscheidenden Vorteil gegenüber minimalinvasiven Eingrif­fen: Die Instrumente des „da Vinci“ verfügen über eine hochpräzise Beweglichkeit im dreidimensionalen Raum. Denn der Opera­teur führt die Instrumente nicht selbst mit der Hand. Statt­des­sen werden sie von den Roboterarmen gehalten und lassen sich in alle Raumrichtungen bewegen.

Erfahrung und Geschicklichkeit sind essenziell
Gesteuert wird der Roboter gleichwohl vom Operateur, der an einer Konsole sitzt und über den 3D-Monitor die Instrumente im Blick hat. „Der Arzt behält jederzeit die Oberhand. Deswegen ist der Begriff ‚Roboter‘ eigentlich falsch. Korrekt spricht man von einem ‚Telemanipulator‘“, sagt Prof. Jürgen Weitz. Anpassungs­möglich­keiten für die individuellen Bewe­gungen des Operateurs ermöglichen dabei hochpräzises Ope­rie­ren. Die Steuerung verlangt allerdings von den Chirurgen ein Maximum an Geschicklichkeit. Sie müssen nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch viel Erfahrung im Umgang mit dem Roboter mitbringen. Aber auch vom besonders gut aufeinander eingespielten OP-Team erfordern die meist mehrstündigen Operationen ein Höchstmaß an Erfahrung.

Um den medizinischen Nachwuchs möglichst früh mit der Tech­nik vertraut zu machen, üben die zukünftigen Ärzte an sogenannten Simulationsprogrammen, die einem Flugsimulator ähneln. Zudem verfügt der „da Vinci Xi“ über eine zweite Steuerkonsole, so dass der chirurgische Nachwuchs des Uniklinikums be­hutsam an das roboterassistierte Operieren herangeführt wird.

Text: Philipp Demankowski

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