Gemeinsam stark sein: Lacrima von der Johanniter-Unfall-Hilfe

Foto: © Johanniter
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Im Oktober 2018 eröffnet der Regionalverband Dresden der Johanniter-Unfall-Hilfe ein Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche. Unter dem Namen Lacrima (lat. Träne) wird damit die erste dieser Einrichtungen in Sachsen etabliert. An anderen Standorten in Deutschland hat das Projekt der Johanniter bereits großen Zuspruch erfahren.

Das Konzept beruht auf der Einsicht, dass Kinder und Jugendliche ganz anders trauern als Erwachsene. Zudem haben sie es meist noch schwerer, sich im Alltag mit verständnisvollen Gesprächspartnern auszutauschen. Deshalb werden die Kinder und Jugendlichen auch dazu ermuntert, ihre Erfahrungen untereinander auszutauschen. Dafür wird ein geschützter Raum geschaffen, indem die Kinder ihre Trauer bewusst leben können. In den kleinen Trauergruppen erhalten sie dabei genau die individuelle Betreuung, die sie in ihrer schwierigen Situation brauchen.

Unterstützung benötigt

Lacrima wird zwar durch hauptamtliche Mitarbeiter geführt, der Verein greift jedoch überwiegend auf ehrenamtliches Engagement zurück. Besondere Anstrengungen bei der Werbung von ehrenamtlich tätigen Menschen haben die Johanniter im universitären Umfeld unternommen. Zur Zielgruppe gehörten beispielsweise Sozialpädagogik- und Psychologie- Studenten, die bei Lacrima ihre Studienerfahrungen mit den Kindern in der Praxis umsetzen können. Unmöglich wäre ein solches Projekt aber auch ohne die Unterstützung unabhängiger Akteure wie dem Service-Club Round Table Dresden, der Lacrima mit Sach- und Geldspenden, aber auch mit logistischen Tipps auf die Beine half. Zur langfristigen Sicherung sind die Mitarbeiter jedoch auf weitere Spendengelder angewiesen. Mit 25 Euro kann eine Gruppe beispielsweise mit kleinen Musikinstrumenten ausgestattet werden, mit 50 Euro ist das Werkmaterial der Kunstgruppe für einen Monat finanziert und mit 150 Euro kann die Outdoorgruppe einen Ausflug in den Klettergarten machen.

Foto: © Johanniter

Ausbildung zum Kinder- und Jugendtrauerbegleiter

Für tiefergreifende Informationen zum Projekt hatte die evangelische Hilfsorganisation am 11. April zu einer Informationsveranstaltung in die Räumlichkeiten der Dresden International University geladen. Von den 65 Besuchern meldeten sich nach der Veranstaltung 30 Interessierte für weiterführende Einzelgespräche mit einer Sozialpädagogin der Johanniter an. Dort wurde das Verständnis für die Arbeit und Verantwortlichkeiten noch einmal vertieft. Denn nicht jeder eignet sich für die sensible Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen. Nach den Gesprächen wurden insgesamt 13 Frei – willige gefunden, die inzwischen eine von den Johannitern finanzierte Ausbildung zum Kinder- und Jugendtrauerbegleiter absolviert haben. Zukünftig sollen auch Weiterbildungen angeboten werden. Nach wie vor werden allerdings Frei willige gesucht. Um die verschiedenen Phasen der Trauer adäquat mit den Kindern und Jugendlichen abzudecken, soll ein Pool an Freiwilligen aufgebaut werden. Eine neue Ausbildungsrunde zum Kinder- und Jugendtrauerbegleiter wird 2019 stattfinden.

Zeit als kostbares Gut

Die Johanniter benutzen für die ehrenamtlich tätigen Trauerbegleiter gerne die Bezeichnung Zeitspender. Ein äußerst passender Begriff. Denn in unserer schnelllebigen Gesellschaft ist Zeit doch ein solch kostbares Gut. Wenn sich die Menschen neben der normalen Berufstätigkeit oder dem Studium noch ehrenamtlich engagieren, dann ist das nicht hoch genug zu werten. Zunächst findet das Lacrima-Projekt in der neuen Johanniter-Zentrale in Leuben ein Zuhause. Doch in absehbarer Zeit sollen zentrumsnahe Räumlichkeiten gefunden werden, um sowohl den Kindern als auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern einen schnelleren Hin- und Rückweg zu ermöglichen. Das Raumkonzept wird dabei an die verschiedenen Ebenen der Trauer angepasst. So gibt es etwa einen Toberaum mit Matten und einem Boxsack. Hier darf getobt, geboxt, getreten und geschrien werden, um die Trauer zu kanalisieren und die Energie wieder in die richtige Bahn zu lenken. Mit dem sogenannten Snoezelraum wiederum wurde mit speziell ausgewähltem Licht, Bildern, angenehmen Düften, Musik und Klängen eine Umgebung geschaffen, in der sich Trauernde sowohl körperlich als auch seelisch entspannen können.

Foto: © Johanniter

Ursprung des Projekts

Das Konzept geht zurück auf Tobias Rilling, der 2007 in München das erste Mal ein Lacrima-Projekt bei der Johanniter- Unfall-Hilfe ins Leben rief. Der Diakon entwickelte aber schon fünf Jahre vorher die Grundgedanken des Konzepts. Wenn die Kinder mit dem Thema Tod und der Basisemotion Trauer umgehen lernen, stärkt sie das auch für zukünftige Krisen. Das Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in der bayrischen Landeshauptstadt war Vorbild für inzwischen 13 andere Lacrima-Ableger in Deutschland. Auch in Dresden stand Tobias Rilling bei der Entwicklung mit Rat und Tat zur Seite und besuchte unter anderem auch den Informationstag. „Er half uns bei Fragen der Raumgröße oder auch nach der angemessenen Zahl der Ehrenamtlichen. Auch jetzt noch ist er nur einen Anruf entfernt, wenn wir Hilfe brauchen“, berichtet Danilo Schulz von der Pressestelle der Johanniter in Dresden. Besonders freute sich Tobias Rilling übrigens über den regen Zuspruch von potenziellen Zeitspendern in Dresden. Weitere Informationen über Lacrima in Dresden und zur Ausbildung zum Trauerbegleiter erhalten Sie im Internet unter www.johanniter.de/lacrimadresden oder telefonisch unter 03 51 2 09 14 33

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