Mit ruhiger Hand und ganz viel Hightech

Prof. Dr. med. Gabriele Schackert, Direktorin - Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht
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Die neurochirurgische Klinik arbeitet in dem neuen Operativen Zentrum im Haus 32 mit modernsten OP-Verfahren. Damit ist die Klinik Vorreiter in den neuen Bundesländern.

Neurochirurgie ist Präzisionsarbeit. Geht es dabei doch um Erkrankungen der sensibelsten und verwundbarsten Regionen des menschlichen Körpers: Gehirn, Nerven, Rückenmark. Hier bewegen sich Ärzte im Mikrobereich, der kleinste Fehler kann fatale Folgen haben und für den Patienten lebenslange Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Und auch für den Operateur sind derartige Eingriffe in der Regel Schwerstarbeit. Stundenlang schaut er hochkonzentriert durch ein Mikroskop, um das empfindliche Gewebe nicht zu schädigen. Die „Feinmechaniker unter den Chirurgen“ sind deshalb in besonders hohem Maß von modernen bildgebenden Verfahren abhängig.

Intraoperatives MRT

Damit diese Experten in Zukunft noch bessere Arbeits­bedingungen haben, zieht die Neurochirurgie des Univer­sitäts­klinikums vom Haus 59 komplett ins neue Haus 32. Hier wird es ab sofort möglich sein, direkt während einer OP ein MRT-Gerät einzusetzen – ein Verfahren, welches Prof. Dr. Ga­briele Schackert schon seit Langem für ihre Klinik anstrebt. Nach über zwei Jahrzehnten in Dresden ist die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Uniklinikum stolz, nun mit dem einzigen intraoperativen MRT, welches in den neuen Bundesländern zur Verfügung steht, arbeiten zu können. Neu ist die Arbeit mit einem MRT jedoch nicht, wie sie erklärt: „Es gab in der Vergangenheit schon ähnliche Ver­fah­ren. Dabei standen die Operateure direkt im MRT-Gerät. Das war jedoch ziemlich anstrengend, weil es darin sehr eng war.“

Perfekte Raumplanung

In ihrer eigenen Klinik hat sie daher eine komfortablere Lösung nach neuesten fachlichen Standards angestrebt. Wann immer Prof. Gabriele Schackert in den vergangenen Jahren auf Dienstreisen und Kongressen die Gelegenheit hatte, tauschte sie sich mit Kollegen aus. Sie schaute sich OP-Bereiche im In- und Ausland an, blickte anderen Neurochirurgen bei ihrer Arbeit über die Schulter, notierte sich Vor- und Nachteile. Eine Raumaufteilung, bei der die Patienten für die Untersuchung im MRT zum Beispiel erst in einen anderen Saal gefahren werden müssen, womöglich um mehrere Ecken, ist umständlich und kam nicht in Frage. „Wir haben im Vorfeld versucht, alle Hürden zu beseitigen und die Räume quasi um das MRT herum geplant“, sagt die Neurochirurgin.

Kontrolle während der Operation

Schließlich haben sich Mediziner und Planer für eine Zwei-Raum-Lösung im neuen Operativen Zentrum entschieden: Im neuen Gebäude sind von den insgesamt vier Operationssälen zwei direkt an das MRT angedockt, sodass die Patienten auf kürzestem Weg in das Gerät geschoben werden können. Noch während sie in Narkose liegen und die OP läuft, kann das Ergebnis beurteilt werden. Wenn nötig, wird dann weiteroperiert oder aber die Operation beendet. Vor allem, wenn Tumore nicht gut abgegrenzt sind, ist es hilfreich, mittels modernster Technik noch einmal genauer hinzuschauen, bevor zum Beispiel die Schädeldecke wieder verschlossen und der Patient aus der Narkose geholt wird. Ziel sei immer die Komplett­resektion, also die vollständige Entfernung des krankhaften Gewebes, sagt Prof. Gabriele Schackert. Stellt sich nach der OP heraus, dass dies nicht gelungen ist und der Patient vielleicht ein zweites Mal operiert werden muss, ist das eine zusätzliche Belastung für alle Beteiligten. Jedem Eingriff geht eine äußerst präzise Planung voraus. „Das neue Verfahren garantiert unseren Patienten höchste Sicherheit. Im MRT können wir das Hirngewebe bereits während der Operation dank der hohen Auflösung exakt beurteilen und daraus die notwendigen Konsequenzen für den Fortgang des Eingriffs ziehen“, betont die Ärztin.

Kostensenkung durch Auslastung

Um die hohen Kosten für das Hightech-Gerät zu kompensieren, soll dieses effizient genutzt werden. Deshalb ist der OP-Bereich so strukturiert, dass das Gerät außerhalb der OP-Zeiten auch zur ambulanten Diagnostik genutzt werden kann. Sein Einsatz bleibt also nicht nur auf operative Eingriffe beschränkt. Mit der Zeit werden sich diese Abläufe einschwingen, hofft Gabriele Schackert. „Das Konstrukt muss zur Routine werden“, gibt sie das Ziel für sich und ihr Team vor.

Patienten aus ganz Deutschland

Um die Expertise und jahrelange Erfahrung der Professorin und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Anspruch zu nehmen, kommen die Patienten nicht nur aus Sachsen, sondern auch aus anderen Bundesländern ins Dresdner Uni­klinikum. Im vergangenen Jahr wurden 650 Tumore im Gehirn entfernt; pro Tag stehen bei Gabriele Schackert bis zu zwei OPs auf dem Plan. Daneben werden auch Tumore in der Wirbel­säule und im Rückenmark operativ behandelt. Das MRT wird dabei nur hinzugezogen, wenn es absolut notwendig ist. Ist schon vor der OP absehbar, dass dies nicht der Fall sein wird, so wird von Vornherein einer der anderen Säle genutzt.

Fachübergreifende Hybrid-OP-Nutzung

Die Hybrid-OPs teilt sich die Neurochirurgie im Haus 32 mit weiteren Fachgebieten wie der Gefäß- und der Unfallchirurgie. Insgesamt 80 Betten auf zwei Etagen stehen im neuen Domizil zur Verfügung, darunter sechs epilepsiechirurgische Betten, sechs Intensivbetten und sechs Betten des Wirbensäulen­zentrums sowie acht Intermediate-Care-Betten, kurz IMC. Sie sind das Bindeglied zwischen Intensivstation und normaler Station.

Besondere Bedürfnisse für Kinder-OPs erfüllt

Bei der Betreuung außerhalb des OP-Saals bilden nur die Kinder eine Ausnahme. Sie werden weiterhin in der Kinderklinik schräg gegenüber im Haus 21 versorgt und lediglich zur Ope­ra­tion ins Haus 32 gebracht. 20 bis 30 kleine Patienten hat Gabriele Schackert pro Jahr, die vor allem an Hirn-, aber auch an Rückenmarktumoren leiden. Um ihren besonderen Be­dürfnissen gerecht zu werden, hat sie einen weiteren Wunsch auf ihrer Liste notiert: Perspektivisch soll ein Kinderneuro­chi­rurg das Team ergänzen. Die jungen Epilepsie­patienten am Uniklinikum profitieren bereits von der Unter­stützung eines Spezialisten. Mit dem Epileptologen Oberarzt Dr. Hans-Georg Leonhardt ist vom Epilepsiezentrum der Uniklinik in Freiburg ein Mediziner nach Dresden gekommen, der in der Begleitung epilepsiechirurgischer Eingriffe große Erfahrung hat.

Höchste Standards

Prof. Dr. Gabriele Schackert freut sich auf die schönen Räume im euen Operativen Zentrum und darauf, dass Patienten in Zukunft nach höchsten Qualitätsstandards behandelt werden und die Mitarbeiter in einem modernen Umfeld arbeiten. Schon jetzt ist die Neurochirurgie am Dresdner Uniklinikum mehrfach zertifiziert, darunter von der Deutschen Krebs­gesell­schaft, der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft und für ihr Qualitäts­management. „Es ist unser ständiger Anspruch, noch besser zu werden“, sagt Prof. Dr. Gabriele Schackert. Mit weniger gibt sie sich nicht zufrieden.                                               

Text: Ute Nitzsche

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