Neubau des Operativen Zentrums: Medizinstandort der Zukunft

Professor Dr. med. habil. Detlev Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden / Foto: © Christoph Reichelt
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Der Neubau des Operativen Zentrums im Haus 32 ist ein weiterer Meilenstein für die Hochschul­medizin am Standort Dresden. Er vereint moderne Patientenversorgung und innovative Hochschul­medizin der Zukunft. Der langjährige Medizinische Vorstand Prof. Dr. Michael Albrecht erklärt im Interview die Hintergründe der strategischen Positionierung am Medizinstandort Dresden.

Welche Rolle spielt der Neubau des operativen Zentrums im Strukturplan des Uniklinikums?

Prof. Dr. Michael Albrecht: Wir haben bei allen strategischen Entscheidungen darauf geachtet, dass alles zusammenpasst und erweiterbar ist, etwa bei der Verzahnung des Kinder- und Frauenzentrums und des diagnostisch-internistischen Zen­trums. Dazu kommt jetzt mit dem operativen Zentrum und seinen neuen Hybrid-OPs ein weiterer Mosaikstein. Dabei haben wir von Anfang an eine hochmoderne Rettungsstelle mitkonzipiert, die alle zukünftigen Richtlinien des G-BA erfüllen kann, also mit multidisziplinärer Ausrichtung, mit einer Intensivstation direkt als Backup in der Notaufnahme, mit 17 OPs in einer Struktureinheit und kurzen Wegen. Ins­ge­samt steht der Neubau mit seinen hochmodern ausgestatteten OPs für die sich in den vergangenen Jahren beeindruckend weiterentwickelte operative Exzellenz des Univer­si­täts­klinikums. Zudem wird das neue Haus 32 dem Bedarf an Flächen zur Versorgung der Patienten zum Zeit­punkt der Fertigstellung ebenso gerecht, wie den Erforder­nissen in den kommenden 20 Jahren.

Wie wirken sich die strukturelle Entwicklung und die Ausstattung auf Ihre Möglichkeiten aus, Kollegen für den Standort Dresden zu gewinnen?

Wir nutzen unsere innovative Auf­stellung natürlich auch als Profilierungs- und Rekrutie­rungs­­programm für den Nachwuchs. Im Fall unseres operativen Zentrums gerade auch für neue Mitarbeiter in der Pflege. Wir verlassen uns nicht darauf, dass die Pflegekräfte einfach zu uns kommen, sondern wir werben ganz bewusst um Funk­tions­personal. Wir sagen „Kommt nach Dresden, hier entsteht der modernste Standort Deutschlands in puncto OPs, Inten­siv­medizin und Rettungsstelle“.

Welche Voraussetzungen sollte eine Hochschulmedizin er­füllen, um auch wissenschaftliche Spitzenleistungen zu bringen?

In dieser Frage kommt der Wis­sen­­schafts­profilierung eine große Bedeutung zu. Sie ist Manage­­ment­aufgabe und gleichzeitig auch Intuition, weil sie auf die Zukunft ausgerichtet sein muss. Wir müssen darauf achten, welche Zweige die Hochschulmedizin Dresden zukunftsgewandt aufstellt und ausbaut. Dafür brauchen wir dann Top-Mitarbeiter, die den Mut haben, mit uns neue Wege zu gehen. In den vergangenen 20 Jahren ist uns das hervorragend gelungen. Anfang der 1990er Jahre als No­body der deutschen Hochschulmedizin gestartet, gehören wir auf den Gebieten Krebsmedizin, neurodegenerative Erkran­kun­gen und Dia­betes nicht nur in Deutschland zu den Top-Insti­tu­tionen. Hier reicht es nicht aus, den Status quo zu erhalten. Wir müssen die Hochschulmedizin weiterentwickeln. Wie in wirtschaftlichen Fragen braucht es hierfür nicht nur eine kühle Analyse, sondern zusätzlich eine pragmatische Intui­tion. Von jeher setzen wir bei den Themen und Personen dabei nicht auf den Mainstream, sondern auch auf Quer­denker. Damit sind wir immer gut gefahren, wobei wir immer frühzeitiger daran denken müssen, wie wir unsere Top-Ärzte, Wissenschaftler und Pflegekräfte langfristig in Dresden halten können.

Welche Vision haben Sie für die Medizintechnik der Zukunft?

Ich sehe gerne Science-Fiction-Filme und denke mir, wenn wir so eine komplexe integrative Diagnostikstruktur hätten, die z.B. in einer einzigen Unter­su­chung verschiedene Laborbestimmungen, Bildgebungs­möglich­keiten und Funktionsdiagnostiken verbindet und die Abweichungen vom Normalzustand dokumentiert – das wäre ein riesiger Fortschritt für die interdisziplinäre Therapie, aber auch für die Prävention. Tech­nologisch ist hier bereits vieles möglich. Dies zeigen wir mit den Möglichkeiten im Haus 32. In den sechs Spezial-OP, die in dem Neubau integriert und digital voll integriert sind, steht uns eine vom Medizin­technik- und Medizininformatik-Spezialis­ten Brainlab ge­schaf­fene Vernetzung zur Verfügung, die Datenquellen unterschiedlicher Hersteller zusammenführt. Beispielsweise lieferte Siemens Healthineers den MRT und die komplette Aus­stattung der Hybrid-OP. Trotz dieser unterschiedlichen Quellen sichern Software und Infra­struk­tur von Brainlab eine optimale 3-D-Visualisierung aller in diesen digitalen OP anfallenden Bilder in 4k-Auflösung. Ich glaube, auf diesem Weg muss man sich bewegen, in Richtung frühzeitiger, sehr detaillierter Diagnostik, denn mit so einer vorgelagerten Maximal­diagnostik, die am Ende natürlich erschwinglich sein muss, können wir enorm Kosten bei den aufwendigen, nachgelagerten Behand­lungs­strategien sparen. 

Interview: Philipp Demankowski

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