Ein gut gepflegtes Haus

Kollegen unter sich: v.l. Susan Berge, Anke Ringel, Dr. Cornelia Zimmermann und Lukas Großmann im Gespräch / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht
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Eine moderne Pflegesituation ist eine der größten Herausforderungen für die gegenwärtige Hoch­schul­medizin. Im Gespräch erklärt Pflegedirektorin Jana Luntz, wie sich die Situation am Universitäts­klinikum Dresden darstellt, und wie der Pflegedienst vom neuen Operativen Zentrum profitiert.

Im neuen Operativen Zentrum im Haus 32 sind eine Intensiv- und vier Pflegestationen untergebracht. Inwieweit wurden die Ansprüche des Pflegedienstes bei der Aus­ge­staltung beachtet?

Jana Luntz: Die Kernanforderungen an die Pflege sind dem Bauherrenteam des Universitätsklinikums Dresden ohnehin bewusst, auch weil die Kollegen in den letzten Jahren viele Neubauten realisiert haben. Trotzdem war der Pflegedienst von Anfang an in die Konzeption und Planung des Hauses 32 mit einbezogen. Sowohl die Mitarbeiter als auch die Füh­rungs­kräfte haben sich vor Ort etwa bei Fragen der Gestaltung der Stationen oder der technischen Ausstattung eingebracht. Dabei wurde die Einrichtung vor allem unter den Aspekten Funktionalität und Sicherheit geprüft und konzipiert. Aber wir haben auch viel Wert auf eine optisch ansprechende Gestaltung der Stationen und Zimmer gelegt.

Pflegedirektorin Jana Luntz / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht

Welche Anforderungen haben Sie hinsichtlich der Funktionalität gestellt?

Der Ablauf auf einer Station ist sehr stark strukturiert und durchgeplant. Entsprechend wichtig ist die Funktionalität. Zum Glück konnten wir dabei auf die Exper­tise der Mitarbeiter bauen, die in Sachen Logistik über einen großen Erfahrungsschatz verfügen. Wichtig ist, dass die be­nö­tigten Pflegeutensilien im Stationsalltag schnell verfügbar sind. Dafür gibt es etwa ein übersichtliches Schrank­sys­tem für eine schnelle und geordnete Lagerung der Mate­ria­lien. Das System musste wiederum so gestaltet werden, dass sich die Patienten nicht verletzen. Zudem hat jeder Patient auf den Stationen einen Rollwagen für seine Habseligkeiten, der perfekt in den Schrank passt. Wechselt er das Zimmer, brauchen die Pflegekräfte seine persönlichen Sachen nur vom einen in das andere Zimmer rollen. Natürlich sind die Bäder barrierefrei und groß genug, so dass auch zwei Pfle­ge­kräfte den Patienten beim Waschen unterstützen können. Es sind Kleinigkeiten, die für die Patienten und die Pfleger auf den Stationen erhebliche Erleichterungen bedeuten. Dazu zählt auch die Terrasse für beatmungspflichtige, bettlägerige Patienten. Dadurch kommen schwerkranke Menschen einmal raus aus den Zimmern an die frische Luft und können ein biss­chen Normalität erfahren.

Neu ist, dass es eine Cafeteria im OP-Bereich gibt…

Das ist für die Ärzte und Pflegekräfte im OP interessant. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Mitarbeiter auch innerhalb des OP-Bereichs eine Pause machen und etwas zu sich nehmen können. Und zwar ohne Ausschleusen und lange Wegstrecken. Dadurch bekommen die OP-Mitarbeiter die gleiche adäquate Speisenversorgung wie ihre Kollegen außerhalb der OPs. Mir gefällt die Gestaltung der Cafeteria mit ihren großen offenen Fenstern sehr. Ich glaube, die Kollegen werden sich dort wohl fühlen.

Gehen die neuen Stationen im Operativen Zentrum auch mit einer technischen Aufrüstung einher?

Die elektronische Patientenakte beschäftigt uns auch im Haus 32, wobei wir damit in der Klinik generell auf einem guten Weg sind. Zudem reicht die Rohrpostanlage im Haus direkt bis in die Stationszimmer. Natürlich wurde die neueste Geräte­gene­ration in puncto Medizintechnik verbaut.

Bedeuten die zusätzlichen räumlichen Kapazitäten auch eine Aufstockung des Personals?

Es wird einen Stellenaufbau geben. Alleine auf den Pflegestationen kommen zu den 150 Kollegen circa 100 neue Arbeitsplätze hinzu. Insgesamt werden mit dem neuen operativen Zentrum 190 neue Stellen geschaffen.

Wie finden Sie die neuen Mitarbeiter?

Natürlich sind wir auch in der Pflege vom Fach­kräfte­mangel betroffen. Zumal das Universitätsklinikum entgegen dem Trend ja sogar noch zusätzliche Stellen schafft. Deshalb spielt Recruiting von Arbeitskräften in meinem Arbeitsbereich eine wichtige Rolle. Wir gehen das Thema mit verschiedenen Maß­nah­men offensiv an. Beim Tag der offenen Tür am 15. Juni im Haus 32 haben wir beispielsweise eine Art Job-Speed-Dating angeboten, bei dem Interessierte mit zu­künf­tigen Kollegen und Chefs in Kontakt treten konnten. Da­mit wollen wir zeigen, dass wir sehr nahbar sind. Dem Univer­s­i­­tätsklinikum hängt ja ein bisschen ein elitäres oder zugeknöpftes Image an. Dieses Vorurteil wollten wir in dem Rah­men entkräften. Eine Aktion, die sehr gut angenommen wurde. Denn das Arbeitsumfeld in der Klinik ist eigentlich sehr familiär. Es herrscht eine große Nähe zwischen Arbeitgeber und Mitarbei­tern und natürlich auch unter den Mitarbeitern.

Gibt es noch andere Maßnahmen, mit denen Sie das moderne Arbeitsumfeld im Uniklinikum potenziellen neuen Mitarbeitern vermitteln?

In diese Richtung geht auch die Aktion mit unseren Markenbotschaftern, die als Beispiele für die Arbeit am Universitätsklinikum an die Öffentlichkeit herantreten. Die Leute sollen uns kennen lernen und ein Gefühl dafür entwickeln, worauf sie sich mit uns als Arbeitgeber einlassen würden. Da sind wir sehr offen und zugewandt. Diese Aktio­nen werden übrigens sowohl in deutsch als auch in tschechisch und polnisch kommuniziert, denn wir wollen auch in unseren Nachbarländern um neue Mitarbeiter werben.

Hat dieses Maßnahmenpaket schon Erfolge gezeigt?

Wir haben sehr viele Anfragen von Bewerbern bekommen, wobei inzwischen mit vielen Mitarbeitern bereits Verträge geschlossen wurden. Unsere Auszubildenden mit guten Leistungen bekommen zum Ende des zweiten Aus­bildungs­jahres von uns blanko einen unbefristeten Vertrag. Dann können sie selber entscheiden, ob sie bei uns arbeiten wollen. Aber auch hier haben wir bereits sehr positive Re­so­nan­zen vernommen. Damit wollen wir auch ein Zeichen setzen, dass wir nicht nur ausbilden, sondern wirklich ein In­te­resse an den Menschen haben. Das bedeutet für die Mit­arbeiter schließlich auch ein Mehr an Zukunftssicherheit.                            

Text: Philipp Demankowski

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