Ab in die Zukunft

Im Hybrid-OP verbinden sich Operationstechnik mit modernen Möglichkeiten der Bildgebung. / Foto: Christoph Reichelt
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Die Technik im neuen Haus 32 setzt Maßstäbe und zeigt einmal mehr, wie sehr sie den Alltag von Patienten und Ärzten bereichern kann.

Einfach nur ein Skalpell in die Hand nehmen? Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Auch technische Innovationen sind wichtige Wegbegleiter des medizinischen Fortschritts.   Im Haus 32, einer Klinik in der Klinik der Neuro­chirurgie, der Viszeral-, Thorax- und Gefäß­chirur­gie bis zur Orthopädie eröffnen sich damit neue Dimen­sionen. Dazu tragen fünf Spezial-OPs bei. Zwei verfügen über einen direkten Zugang zu einem Magnet­reso­nanz­tomographen (MRT), mit dem eine besonders detaillierte Darstellung der Organe möglich ist. Zwei weitere verfügen über spezielle Röntgenanlagen. In diesen sogenannten Hy­brid-OPs können Chirurgen Katheter-Eingriffe und auch offene Operationen unter Röntgen­kon­trolle vornehmen. Ein vernetzter OP-Saal bietet eine besondere Infra­struk­tur, um computerunterstützte chirurgische Ge­rä­te mit weiteren medizinischen Daten zu verknüpfen. Der fünfte Spezial-OP ist mit einem Bestrahlungsgerät ausgestattet. Damit lässt sich unmittelbar nach dem Heraus­operieren des Tumors das angrenzende Gewebe bestrahlen.

Die neuen technischen Möglichkeiten sind für Pa­tien­ten wie für Ärzte von großem Vorteil. Prof. Dr. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, erklärt: „Wir arbeiten mit einem neuartigen Bild­dokumen­tations­management. Alle Daten, Bilder und Labor­ergebnisse kann sich der Operateur vorher auf einen Server legen. Dank eines Steuermonitors erscheint das, was er oder sein Team be­nötigen, auf den verschiedenen Monitoren. Das führt zu schnelleren Abläufen, Informationen landen genau dort, wo sie ge­braucht werden.“ Beispielsweise in der Neuro­chirurgie, die sehr diffizile Eingriffe beinhaltet, kann der Medi­ziner seine Opera­tion im Vorfeld sehr dezidiert planen. „Die Navigation visualisiert uns den Weg zu den Zielen im Inneren des Gehirns vorbei an wichtigen und zu schonenden Arealen und Bahnsystemen sehr genau und in unterschiedlichen Dimensionen“, sagt Prof. Dr. Gabriele Schackert, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie. „Dabei stehen uns Operateuren unter anderem dreidimensionale und auch drehbare Ansichten des Gehirns zur Verfügung, um wichtige Strukturen hervorzuheben sowie präoperative Planungs­szenarien aufrufen zu können.“

Die robotergestützte Bildgebung wird für minimalinvasive Eingriffe vorgehalten. / Foto: Gabriele Bellmann

Jedes Bild, das im OP gemacht wird, fließt in die Doku­men­tation ein. Das heißt also: Vorher-Nachher-Betrachtungen sind jederzeit möglich, alte und neue Bilder können zum Ver­gleich digital übereinander gelegt werden. „In der Planungs­zeit haben wir uns in verschiedenen Krankenhäusern umgesehen, um den neuesten Stand der Technik zu ermitteln und dann zu eruieren, welchen Bedarf wir haben und wie wir diesem gerecht werden“, sagt Dr. Thomas Runge. „Bevor wir in den Operationsbetrieb starten können, wird das ärztliche und pflegerische Personal sehr intensiv geschult”, so Prof. Christian Reeps, Bereichsleiter Gefäßchirurgie der Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Ein besonders schöner Neben­effekt ergibt sich aus den vielfältigen Infor­ma­tionen, die rund um eine Operation gesammelt werden: Diese werden für die Ausbildung angehender Fachärzte genutzt.

Während der Einrichtung des neuen Hybrid-OP waren Einblicke in die diffizile Technik des Schwenkarmes möglich. / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht

Eine weiteres Kernstück ist der Hybrid-OP: Der Begriff steht für einen High-tech-OP, der mit modernsten medizinischen Bildgebungsgeräten kombiniert wird. In ihm lassen sich beispielsweise auch bei offenen Operationen Röntgenbilder an­fer­tigen und Interventionen mit Kathetern vornehmen. Haupt­nutzer werden die Chirurgen sein. Unter anderem werden hier Eingriffe bei Patienten mit lebensgefährlichen Erkrankungen der Hauptschlagader vorgenommen. Hier spielen schonende minimalinvasive Verfahren mit Implan­ta­tio­nen großer maßgefertigter Gefäßprothesen eine wichtige Rolle. Über die Leis­ten­­schlag­ader eingeführte Stents ermöglichen es, auch betagte und kranke Men­schen erfolgreich zu versorgen, für die eine offene Operation nicht mehr in Frage kommt. Das minimalinvasiv über einen Katheter unter Röntgenkontrolle vorgenommene Setzen von Stentprothesen kann hochkomplex sein. Hier spielt der neue Hybrid-OP im Haus 32 seine Stärken voll aus, in dem sich während des Eingriffs hochauflösende zwei- oder dreidimensionale Bilder anfertigen lassen. Diese können mit den im Vorfeld der In­tervention angefertigten Bildern eines Com­putertomographen zusammengeführt werden. Eine besondere Navigationssoft­ware hilft den Operateuren, die Stents auf dem Weg durch die Gefäße sicher und schnell an ihr Ziel zu bringen. „Im Vorfeld war es Aufgabe unseres Bauherrenteams, gemeinsam mit den Ärzten, die ganze Technik sinnvoll anzuordnen“, sagt Dr. Thomas Runge, Leiter des Bauherrenteams. Mit einem Blatt Papier, einem Zollstock und einem Bleistift kommt man dabei nicht weit. Dank einer Software konnten die Räume in 3D dargestellt werden. „Das hat den großen Vorteil, dass wir sie den Ärzten zeigen konnten. Sie haben dann überprüft, ob das zu den Abläufen der Operationen passt, danach konnten wir alles anpassen. Nur mit zweidimensionalen Zeichnungen kann man sich so etwas kaum vorstellen.“    

Text: Ivette Wagner

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