,,Die Apotheke der Zukunft denkt ganzheitlich!”
Dr. Katja Scarlett Daub macht mit den CITY-Apotheken Dresden Prävention und Longevity zum Programm.
Die Apotheke als reiner Medikamentenausgeber? Dieses Bild ist längst überholt. Dr. Katja Scarlett Daub, promovierte Apothekerin und Unternehmerin, hat mit ihren vier CITY-Apotheken in Dresden ein ganzheitliches Gesundheitskonzept etabliert, das weit über die klassische Arzneimittelabgabe hinausgeht. Seit 2002 selbstständig, verbindet sie in ihren Apotheken modernste Analyse-Tools mit individueller Beratung und erreicht damit Menschen, die nicht nur älter werden, sondern dabei gesund und aktiv bleiben wollen.

Top: Frau Dr. Daub, Sie führen vier Apotheken in Dresden. Was macht Ihr Konzept besonders?
Dr. Daub: Die Besonderheit liegt in der Kombination aus Erreichbarkeit und Spezialisierung. Zwei unserer Standorte befinden sich im Hauptbahnhof und im Neustädter Bahnhof. Beide sind sieben Tage die Woche geöffnet. Das macht uns zu einer verlässlichen Anlaufstelle, besonders am späten Abend, am Wochenende und an Feiertagen. Viele Dresdner Familien wissen: Wenn das Kind krank wird, gibt es im Bahnhof schnelle Hilfe. Dort liegt der Schwerpunkt auf schneller Logistik und Akutversorgung – von Antibiotika über Augenarzneimittel bis zum umfangreichen Mutter-Kind-Sortiment, aber auch in der Lotsenfunktion: Ist ein Arztbesuch nötig oder nicht?! Gleichzeitig haben alle vier Standorte eigene Schwerpunkte, sind aber miteinander vernetzt. Das bedeutet: Wenn Sie bei uns Kunde sind und Ihre Daten hinterlegt haben, können an allen vier Standorten Verträglichkeiten und Besonderheiten eingesehen werden. Viele Berufspendler nutzen das – unter der Woche im Hauptbahnhof, am Wochenende am Wohnort. Hier in der City-Apotheke am Goldenen Reiter konzentrieren wir uns auf Prävention und ganzheitliche Beratung – von Blutanalysen über den Beckenbodenstuhl bis zur DNA-Genanalyse. Wir impfen gegen Grippe und Corona und hoffen, dass das Spektrum erweitert wird.
Top: Ganzheitliche Gesundheit – was bedeutet das konkret in Ihrer täglichen Arbeit?
Dr. Daub: Es bedeutet, nicht nur das Symptom zu behandeln, sondern die Ursache zu verstehen und die bestehende Medikation mitzudenken. Ein klassisches Beispiel: Jemand kommt mit Herpes. Oberflächlich betrachtet braucht die Person ein Virustatikum. Aber eigentlich ist die Erkrankung ein Zeichen für ein geschwächtes Immunsystem. Also beraten wir automatisch auch zur Immunstärkung, z. B. mit Zink, Vitamin D, der Aminosäure L-Lysin. Ganzheitlich heißt auch, an Mikronährstoffe zu denken. Medikamente wie die Antibabypille, Pantoprazol oder Metformin können, wenn sie über Jahre eingenommen werden, zu Mikronährstoffdefiziten führen. Die Pille etwa zu Mängeln an B-Vitaminen, Zink und Magnesium. Wenn ich das weiß, kann ich gegensteuern. Wir schauen uns an, welche Medikamente jemand bereits nimmt, was sich verträgt, was nicht, und ergänzen dort, wo es sinnvoll ist. Dazu gehören Darmanalysen, denn 80 Prozent der Immunität sitzt im Darm. Das hilft enorm bei Neurodermitis, Asthma oder Morbus Crohn.

Top: Seit Dezember bieten Sie DNA-Genanalysen an. Wie funktioniert das?
Dr. Daub: Die Analyse ist ein echter Gamechanger und das, was ich als neue Generation der Arzneimitteltherapie bezeichne. Sie wird einmal im Leben gemacht und liefert ein individuelles „Lexikon“ über den eigenen Körper. Wichtig: Wir machen keine Diagnosen! Die Analyse ist dreigeteilt: Der erste Teil – Reaction – ist die medizinische Säule. Sie zeigt, wie der Körper Arzneistoffe verstoffwechselt. Manche Menschen bauen bestimmte Wirkstoffe nicht ab, andere können sie gar nicht erst aktivieren. Die Dosierung kann für jeden völlig anders aussehen. Der Arzt wird im Vorfeld informiert. Ein Beispiel: Folsäure muss erst zu Metafolat umgewandelt werden, um zu wirken. Kann der Körper das nicht, nehme ich besser gleich Metafolat – gerade in der Schwangerschaft entscheidend. Oder Tamoxifen bei Brustkrebspatientinnen: Es muss aktiviert werden. Funktioniert das nicht, wirkt die Therapie nicht. Mit der DNA-Analyse wissen wir das im Vorfeld. Vor Operationen können wir sehen, welches Narkosemittel optimal funktioniert und welches Schmerzmittel danach wirklich wirkt. Es gibt Menschen, bei denen Tramadol null wirkt – die würden dann unnötig tagelang leiden.
Top: Was zeigen die anderen Teile der Analyse?
Dr. Daub: Der zweite Teil – Nutrition – ist die Ernährungssäule. Hier erfahre ich, ob ich Gene habe, sodass Laktose und Fruktose richtig verstoffwechselt werden, ob ich eher Brot oder Fleisch besser verwerte, wie mein Körper auf Zucker reagiert. Manche Menschen profitieren enorm von Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, bei anderen verschlechtern diese sogar den Cholesterinwert – dann sind Phytosterole besser. Der dritte Teil – Shape – zeigt, wie man effektiv Gewicht verliert: ob man zum Jojo-Effekt neigt, ob Kraft- oder Ausdauersport besser wirkt, ob man beim Abnehmen Muskelmasse verliert. Es ist im Grunde für jeden geeignet und hilft wie ein persönliches Handbuch, den eigenen Körper besser zu verstehen. Personalisierte Medizin im besten Sinne.
Top: Longevity ist derzeit in aller Munde. Was verbirgt sich dahinter und was ist Ihr Ansatz?
Dr. Daub: Longevity ist das neue Anti-Aging – aber es geht noch eine Ebene tiefer. Bei Anti-Aging denken viele an Beauty, schöne, Haut, Körperform. Longevity bedeutet, dass der Körper funktioniert. Es geht darum, die Körperfunktionen bestmöglich zu erhalten, nicht nur gut auszusehen.
Top: Was bieten Sie darüber hinaus an, um die Körperfunktionen zu stärken?
Dr. Daub: Unser Beckenbodenstuhl, der in 28 Minuten den Effekt von 1000 Stunden Beckenbodentraining erreicht, erhöht die Lebensqualität vieler Frauen enorm – lachen, hüpfen, tanzen ohne Pannen. Auch Männer profitieren – bei Prostata- und Libido-Problemen. Mit unserer Divinia® ist Abnehmen und Muskelaufbau und Lympfaktivierung im Liegen möglich. Die Bioimpedanz-Messung bildet die Grundlage der Kombinations-Therapie von EMS-und Ultraschall-Technologie.

Top: Sie planen Webinare zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Was ist das Ziel?
Dr. Daub: Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Ich plane für das späte Frühjahr eine Webinar-Reihe, die on demand verfügbar sein wird. Einerseits zu klassischen Selbstmedikationsthemen: Was gehört in die Kinder- und Erwachsenenapotheke zu Hause, was tue ich bei Husten oder Kopfschmerzen, wann brauche ich einen Arzt? Andererseits Spezialthemen rund um Longevity: Mitochondrienmedizin, Fasten und Scheinfasten, Schlaf, Bewegung. Was zeichnet die Menschen in den sogenannten Blue Zones aus, wo Menschen besonders alt werden? Es ist nicht nur Ernährung, sondern auch soziales Umfeld, Bewegung bis ins Alter, ausreichend Schlaf. Wir sind Herdentiere, das bedeutet: Eine gesunde Familienstruktur zahlt enorm auf Longevity ein.
Top: Sie haben kürzlich einen Award für Ihre kreative Gesundheitskommunikation erhalten. Warum ist das so wichtig?
Dr. Daub: Weil Verstehen die Grundlage für Veränderung ist. Mein Steckenpferd war schon immer: Warum kompliziert, wenn es einfach geht? Wenn ich sage: „Wir stellen Ihre Rolltreppe an, um Schleim abzutransportieren“, hat jeder eine Vorstellung davon, was passiert. Oder dass Alterungsprozesse im Grunde Oxidation sind und man sich das wie Rosten vorstellen kann. Antioxidantien sind unser Rostschutzmittel. Solche Bilder schaffen Bewusstsein und bleiben hängen. Kompliziertes einfach zu sagen, wird im Gesundheitswesen viel zu wenig gelehrt. Vieles, was in Apotheken oder auch in den Arztpraxen besprochen wird, ist für die Patienten nicht wirklich verständlich. Aber wenn ein Patient etwas versteht, ist er eher bereit, eine Maßnahme umzusetzen. Das verstehe ich unter Gesundheits-Storytelling.
Top: Wie hat sich die Rolle der Apotheke in den letzten Jahren verändert?
Dr. Daub: Die Patienten sind heute deutlich informierter. Durch Internet und soziale Medien haben sie Zugang zu Fachwissen, das früher einen Bibliotheksbesuch erfordert hätte. Manchmal führt das zu Unsicherheiten, weil nicht jede Information richtig eingeordnet wird. Wir sehen unsere Rolle als „Gesundheitslotsen“, Wege aufzuzeigen und individuell zu unterstützen. Die Apotheke bewegt sich weg von der reinen Logistik hin zu noch mehr gesundheitlicher Betreuung. Der Präventionsgedanke wächst, denn wir werden eine alternde Gesellschaft, in zwanzig Jahren haben wir nicht genug Pflegepersonal. Deshalb ist es so wichtig, dass Menschen möglichst lange gesund und selbstständig bleiben. Die Apotheke wird zum Gesundheitszentrum mit Medikationsanalysen, Impfungen, Präventions- und Vitalmessungen, Haut-Checks, Darm-Analysen oder Mikronährstoff-Beratung.

Interview: Katrin Schindler

