Rein, reiner, sterilisiert

Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht
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Ein zukunftsweisendes Konzept findet in der neuen Sterilisationsabteilung von Haus 32 seinen Platz.

Für die Patienten ist die Hygiene in einem Krankenhaus eine Selbstverständlichkeit, für jedes Krankenhaus ist sie Verpflichtung. Der neuen Sterilisations-Abteilung, die sich im Keller von Haus 32 befindet, wurde deshalb eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Dort stehen mannshohe Spül­ma­schi­nen, auf der anderen Seite sind mehrere Arbeitsplätze angeordnet. Dahinter verbirgt sich ein strenges Ordnungs­schema, was vereinfacht mit ‚unrein – rein – steril’ be­schrieben werden könnte.

Das verunreinigte Instrumentarium kommt direkt aus dem Operationssaal in der Zentralsterilisation an, wird per Hand vorgereinigt und dann in diese speziellen Spülmaschinen, also Reinigungs- und Desinfektionsautomaten, geschoben. Auf der anderen Seite wird es entnommen, allerdings noch nicht steril. „Wir haben drei unterschiedliche Arten der Sterilisation“, sagt Prof. Dr. Lutz Jatzwauk, Leiter des Zentral­bereiches Krankenhaushygiene/Umweltschutz. Die gängigste Art ist die mit Dampf bei 134°C. „Für Instrumente, die nicht so heiß werden dürfen, brauchen wir Ausweichverfahren“, sagt Prof. Lutz Jatzwauk weiter. Das sind die Sterilisation mit Form­­aldehyd bei 65°C und die sogenannte Plasma­sterili­sation, die bei 35°C stattfindet.

Prof. Dr. Lutz Jatzwauk leitet den Zentralbereich Krankenhaushygiene/Umweltschutz am Uniklinikum Dresden. / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht

Neu installiert wird das Fallwagenkonzept: Hinter diesem System verbirgt sich eine Art Permanentlieferung. Die Ver­sorgung der OP-Säle durch Fallwagen reicht dank eines ausgeklügelten neuen EDV-Systems von der Bestückung der einzelnen Fallwagen über die Dokumentation durch das OP-Personal und das Abräumen der Fallwagen bis zur Ab­rech­nung. Alles ist damit zur rechten Zeit am richtigen Ort. „Damit erzielen wir sehr viele Verbesserungen“, sagt Prof. Dr. Lutz Jatzwauk. „Wir entlasten die OP-Schwestern stark, die sich bisher um Repa­raturen und Bestellungen kümmern mussten, was nun entfällt.“ Denn in der Sterilisation werden die Instrumente nach der OP auf Mängel geprüft und diese sofort weiter gegeben. „Da alles viel schneller abläuft, können wir die Wechsel­zeiten zwischen den Operationen verkürzen.“

Die Aufbereitung erfolgt kontinuierlich, 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. „Das ist nicht neu, nur sind wir jetzt wesentlich effektiver, es wird nichts mehr angesammelt.“ Flexible Endoskope wurden vormals meist dezentral aufgearbeitet, nun sind sie in die Arbeitsabläufe eingebunden. Die Augenklinik bearbeitete ihre Instrumente selbst – auch hier wird Entlastung geschafft, indem die Klinik in den Kreislauf der Zentralsterilisation im Haus 32 integriert wird. „Wir arbeiten viel mit Leihgeräten, die nun viel einfacher ein- und ausgebucht werden können“, zählt Prof. Dr. Lutz Jatzwauk einen weiteren Vorteil auf. Veränderungen durch ungeplante Opera­tio­nen oder Notfälle können variabel und schnell umgesetzt werden. Es ist möglich, jederzeit nachzuvollziehen, welches Material auf welchen Wagen liegt, der Verbrauch kann durch eine Dokumentation exakt einem Fall zugeordnet und abgerechnet werden.

Aufbau und Einrichtung der Zentralsterilisation im Haus 32 / Foto: Universitätsklinikum Dresden/Thomas Albrecht

Noch zwei ganz andere Aspekte liegen Prof. Dr. Lutz Jatzwauk besonders am Herzen. „Die lückenlose Dokumen­tation ermöglicht ein noch größeres Controlling und damit eine noch höhere Qualität. Dazu kommt ein schöner Neben­effekt: Die Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Bereichen lernen sich kennen“, freut sich der Leiter des Zentralbereiches Kran­kenhaushygiene/Umweltschutz. „Das wird die Zusam­men­arbeit nachhaltig verbessern, weil so jeder dem anderen sofort sagen kann, wo es gut läuft, wo nicht und man gemeinsam über Alternativen nachdenkt.“ Für den zweiten Punkt gab es bereits 2015 eine Auszeichnung: Die Uniklinik Dresden erhielt den Sächsischen Umweltpreis in der Kategorie „Um­weltorientierte Unternehmensführung sowie innovative und kreative Leistungen im Umwelt- und Naturschutz“ mit dem Projekt „Carus Green für eine gesunde Umwelt“. Damals ging es unter anderem um das Einsparen von Energie, Kohlen­dioxid, Wasser und Abwasser sowie Abfall. Und um eine wegweisende, in Deutschland einmalige Verfahrensweise: der bedarfsgerechte Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen in OP-Sälen. Das bedeutet: Wenn die Räume nicht belegt sind, schaltet die Anlage ab. Zehntausende Kilowattstunden Strom wurden dank dieses Verfahrens in den vergangenen Jahren eingespart. Die 17 OP-Säle im neuen Haus 32 wurden in dieses System eingebunden. „Das klingt vielleicht etwas theoretisch. Aber jeder, der in seiner Küche kocht, schaltet seine Dunst­abzugshaube auch aus, wenn er fertig ist“, sagt Prof. Dr. Lutz Jatzwauk.                                                                         

Text: Ivette Wagner

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