Die bedeutenden Kurstädte Europas

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Wir stellen Ihnen einige der „The Great Spas Towns of Europe” vor.

Die „Bedeutenden Kurstädte Europas“ sind mehr als nur Orte der Erholung – sie verkörpern das reiche Erbe einer europäischen Bäderkultur, die von der Aufklärung bis ins 20. Jahrhundert reicht. Elf traditionsreiche Städte in sieben Ländern, darunter Baden-Baden, Karlsbad, Spa und Bath, wurden 2021 gemeinsam zum UNESCO-Welterbe ernannt. Sie stehen für eine Zeit, in der Gesund­heit, gesellschaftlicher Austausch und architektonische Eleganz eine einzigartige Verbindung eingingen. Hier stellen wir Ihnen einige der „The Great Spas Towns of Europe” vor.

Bad Ems – Deutschland

Der staatlich anerkannte Heilkurort Bad Ems war einst Treffpunkt der Mächtigen Europas. Bis heute vereint die idyllisch an der Lahn gelegene Stadt mondäne Eleganz mit zeitloser Gelassenheit. Im 19. Jahrhundert war Bad Ems ein Magnet für Kaiser, Könige und Künstler – ein Ort, an dem Zar Alexander II. und Wilhelm I. flanierten und Diplomaten im Schatten der Kolonnaden Weltpolitik betrieben. Hier verschmolzen Adel und Bürgertum, entstanden Allianzen und Inspirationen, die Bad Ems zum Inbegriff europäischer Kurkultur machten. Bis heute prägen prachtvolle Bauten das Stadtbild: Das Kursaalgebäude mit seinem Marmorsaal aus Lahnmarmor, elegante Villen und historische Hotels reihen sich am Ufer der Lahn. Im Herzen der Stadt sprudeln fünfzehn Heilquellen, allen voran das berühmte Emser Kränchen, dessen mineralreiches Wasser seit Jahrhunderten für Wohlbefinden sorgt. Mit der Aufnahme in die „Great Spa Towns of Europe“ und dem UNESCO-Welterbe-Titel 2021 wird Bad Ems als eine der bedeutendsten Kurstädte Europas gewürdigt. Hier verschmelzen Historie und Moderne zu einem Erlebnis, das Körper und Geist gleichermaßen berührt.

Baden bei Wien / © EKH-Pictures – stock.adobe.com
Baden bei Wien – Österreich

Wer durch die eleganten Alleen von Baden bei Wien flaniert, spürt den Hauch vergangener Epochen. Zwischen prachtvollen Villen, dem Kurpark und dem leisen Plätschern der Schwechat entfaltet sich ein Ort, der seit Jahrhunderten als Inbegriff der Erholung gilt. Schon die Römer schätzten die heißen Schwefelquellen, doch mit der Habsburger Monarchie wurde Baden zur Sommerresidenz der Kaiser und zum Treffpunkt von Adel und Künstlern. Die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe der „Great Spa Towns of Europe“ würdigt Badens einzigartige Verbindung aus klassizistischer Architektur, Kurtradition und den berühmten Quellen. Heute kommt das Wasser aus vierzehn Quellen, die zu den schwefelhaltigsten in Österreich zählen. Neben den Quellen ist Baden auch ein Luftkurort und bleibt ein Sehn­suchtsort für alle, die das Besondere suchen – ein Ort, an dem Geschichte und Lebensfreude aufeinandertreffen.

Bath, England / © f11photo – stock.adobe.com
Bath – England

Wer Bath besucht, spürt sofort: Hier fließt Geschichte durch die Straßen wie das warme Wasser aus den berühmten Quellen. Die Stadt im Südwesten Englands ist weit mehr als ein Kurort – sie ist ein lebendiges Denkmal europäischer Badekultur und architektonischer Raffinesse. Bereits die Römer erkannten die außergewöhnliche Kraft der heißen Quellen und gründeten hier Aquae Sulis – einen Ort, an dem Heilung und Genuss Hand in Hand gingen. Die prachtvollen Reste der römischen Bäder zeugen bis heute von einer Epoche, in der Bath als spirituelles und gesellschaftliches Zentrum erstrahlte. Im 18. Jahrhundert erlebte Bath seine zweite Blüte: Visionäre wie Ralph Allen und John Wood schufen mit dem Royal Crescent und dem Circus architektonische Meisterwerke, die das Stadtbild bis heute prägen. Die elegante Symbiose aus Natur, Stein und gesellschaftlichem Leben machte Bath zum Inbegriff mondäner Kurkultur. Auch heute bleibt Bath ein Ort der Erholung und Inspiration: In den modernen Spas baden Gäste im mineralreichen Wasser, das einst schon Römer und Könige begeisterte. Die Auszeichnung als UNESCO-Welterbe würdigt Bath als einzigartiges Gesamtkunstwerk europäischer Kurgeschichte.

Marienbad (tschechisch Mariánské Lázně) / © Frank H. – stock.adobe.com
Marienbad – Tschechien

Wer durch Marienbad (tschechisch Mariánské Lázně) flaniert, taucht ein in eine Welt, in der sich Geschichte und Eleganz auf Schritt und Tritt begegnen. Zwischen majestätischen Kolonnaden und schattigen Parkwegen entfaltet sich jene besondere Atmosphäre, die Marienbad seit Jahrhunderten zum Inbegriff europäischer Badekultur erhebt. Bereits im frühen 19. Jahrhundert avancierte Marienbad zu einem Magneten für Aristokraten, Künstler und Denker. Die Stadt besticht durch eine einzigartige Symbiose aus klassizistischer Pracht, verspieltem Jugendstil und weitläufigen Parkanlagen. Über vierzig Heilquellen, kunstvoll eingefasst, prägen das Bild einer Kurstadt, die sich als Gesamtkunstwerk versteht. Mit der Aufnahme in die Liste der „Bedeutenden Kurstädte Europas“ würdigt die UNESCO Marienbad als herausragendes Zeugnis europäischer Badetradition. Gemeinsam mit Karlsbad und Franzensbad bildet Marienbad das berühmte Bäderdreieck – ein Ensemble, das durch seine Heilquellen, seine Architektur und seine kulturelle Strahlkraft Weltruf genießt.

Montecatini Terme – Italien / © Warpedgalerie – stock.adobe.com
Montecatini Terme – Italien

Inmitten der sanften Hügel der Toskana entfaltet sich Montecatini Terme, seit Jahrhunderten ein Inbegriff europäischer Kurkultur. Der Kurort verdankt seinen Aufstieg den heilenden Quellen, die bereits den Römern bekannt waren. Im 18. Jahr­hundert entstand hier eine Gartenstadt, deren architektonische Pracht sich in eleganten Jugendstil-Bauten und weitläufigen Parks manifestiert. Die Promenade, gesäumt von prächtigen Thermengebäuden, verbindet das mondäne Kurleben mit der natürlichen Schönheit der Landschaft. Im Zentrum Montecatinis pulsiert das Leben rund um die vier berühmten Ther­mal­quellen – Tettuccio, Regina, Leopoldina und Rinfresco. Jede Quelle besitzt ihre eigene Heilkraft und lockt seit jeher Künstler und Intellektuelle an. Namen wie Verdi und Puccini sind untrennbar mit dem besonderen Flair der Stadt verbunden, die bis heute als Refugium für Erholungssuchende gilt. Als Teil der „Bedeutenden Kurstädte Europas“ bleibt sie ein lebendiges Zeug­nis europäischer Badekultur – und lädt auch heute dazu ein, Körper und Geist in stilvollem Ambiente zu regenerieren.

Redaktion: Jörg Fehlisch

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